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Am Anatomischen Institut der Universität Wien in der Währingerstraße: Bedrängten Student*innen wird mittels Leitern aus den Fenstern geholfen. Ausschreitungen nationalsozialistischer Studierender, FotografIn unbekannt, Wien, 9.5.1933. ÖNB, Bildarchiv und Grafiksammlung.
Antisemitismus an den Universitäten, Julius Tandler

An den Universitäten Wien, Graz und Innsbruck stieg im 19. Jhdt. die Anzahl deutschnational bzw. antisemitisch eingestellter Universitätsangehöriger; die 1920er- und 1930er-Jahre prägten insbesondere an der Universität Wien gewalttätige Ausschreitungen gegen jüdische bzw. sozialdemokratische Studierende und Lehrende. Die meisten Angriffe und Zerstörungen betrafen das Hauptgebäude sowie das I. Anatomische Institut, das von Julius Tandler geleitet wurde, der auch als Politiker für das Rote Wien aktiv war. Aufgrund dessen sowie seiner jüdischen Herkunft geriet er in das Visier der Nationalsozialist*innen, die ihn, seine Mitarbeiter und Studierenden bedrohten und für Gewaltexzesse sorgten, die zahlreiche Verletzte forderten und sogar international rezipiert wurden. Die Universitätsleitung verurteilte dies nur zögerlich. 1932/33 kam es zur Eskalation, und nachdem u.a. US-Studenten von NS-Schlägertrupps verletzt worden waren, rückte Wien erneut in den Fokus internationaler Aufmerksamkeit. Der letzte Gewaltakt fand am 9. Mai 1933 statt; in der Folge verließ Tandler die Universität. Weitere antisemitische Ausschreitungen wurden im Austrofaschismus unterbunden.

Die Vorfälle sind sowohl im Kontext einer judenfeindlichen Tradition zu sehen, als auch des allgemein zunehmenden Antisemitismus. 1938 kam es an allen Universitäten zur Verfolgung und Vertreibung jüdischer bzw. als „jüdisch“ definierter Universitätsangehöriger – nach 1945 setzte sich die Diskriminierung insofern fort, als vertriebene Wissenschafter*innen kaum zurückgeholt wurden.

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